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„Ökoprofit ist der Finger in der Wunde“

Verena Lässer-Kemple ist Koordinatorin von Ökoprofit Vorarlberg. Im Gespräch erklärt Sie das Landesprogramm und auch warum die Teilnahme daran mit Hausverstand zu tun hat.

Nicht allen ist Ökoprofit ein Begriff, wie kann Ökoprofit einfach erklärt werden?

Verena Lässer-Kemple: Es ist ein praxisnahes Umweltprogramm, mit dem Betriebe ihre Ressourcen optimieren. Somit sparen sie Kosten und schonen gleichzeitig die Umwelt. Wir sehen es als Tool, das einen Prozess anregt und ebenso dafür sorgt, dass die teilnehmenden Betriebe am Thema Optimierung im Zusammenhang mit der Umwelt dranbleiben. Jahr für Jahr. Denn jährlich müssen von den Ökoprofit-Unternehmen drei Maßnahmen umgesetzt werden.

Es gibt immer etwas, das verbessert werden kann. Wir haben Betriebe, die seit langer Zeit Ökoprofit zertifiziert sind und Jahr für Jahr weitere Maßnahmen zur Optimierung setzen.Verena Lässer-Kemple, Koordinatorin Ökoprofit Vorarlberg

Welche Unternehmen können Ökoprofit zertifiziert werden?

Verena Lässer-Kemple: Jedes Unternehmen. Das Programm kann überall angewendet werden. Vom EPU über öffentliche Einrichtungen bis zu Großbetrieben. Man muss sich nur anmelden und anfangs an den acht halbtägigen Workshops teilnehmen. In den Workshops wird für jedes einzelne Unternehmen bereits eine Potenzialanalyse erarbeitet. Es wird darauf geschaut, wo könnte es Einsparmöglichkeiten und Veränderungsoptionen geben – beim Strom, bei der Mobilität oder auch bei verwendeten Chemikalien. Daraus ergeben sich schon häufig die ersten Maßnahmen. Am Ende der Workshops muss der Umweltbericht erstellt werden – alle Zahlen werden erfasst und der Maßnahmenplan für das erste Ökoprofitjahr wird festgelegt.

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Einmal Ökoprofit immer Ökoprofit?

Verena Lässer-Kemple: Nicht ganz. Einmal im Jahr finden die Zertifikatsverleihungen statt. Die Zertifikate gelten genau ein Jahr. Dann müssen die Betriebe wieder einen Umweltbericht nach unserem Kriterien-Katalog vorlegen und auch drei weitere Maßnahmen setzen. Außerdem werden die Betriebe auditiert und gemeinsam mit dem Ökoprofit Berater werden im Entwicklungsgespräch Möglichkeiten für weitere Schritte beleuchtet. Ökoprofit sieht sich als Finger in der Wunde, der nicht müde wird, darauf aufmerksam zu machen, dass immer noch eine Verbesserung möglich ist.

  • Potentialanalyse und Beratung im Unternehmen
  • Erstellung eines Umweltberichts mit allen umweltrelevanten Daten und Maßnahmen
  • Jährliche Überarbeitung des UmweltberichtsUmsetzung von jährlich 3 Maßnahmen
  • Jährliches Audit (jedes 3. Jahr im Betrieb, sonst schriftlich)Fortbildung bei Workshops, Informationsveranstaltungen

Stimmt das, gibt es umwelttechnische Verbesserungsmöglichkeiten ohne Ende?

Verena Lässer-Kemple: Es geht immer noch etwas besser. Es gibt kein perfektes Unternehmen. Technologien verändern sich außerdem ständig und deshalb kann immer noch etwas optimiert werden. Es gibt aber auch Unternehmen, die bei null anfangen. Da wird zum Beispiel noch nicht einmal Müll getrennt. Ökoprofit agiert dort häufig als Impulsgeber, der einen langen Prozess in Bewegung setzt. Wir haben aber auch Unternehmen, die schon sehr gut aufgestellt sind und durch Ökoprofit zusätzlich angespornt werden. Als Beispiel: Auto Gerster ist seit 1996 Ökoprofit Betrieb. Gerade dieses Jahr sind dort fünf, statt nur der geforderten drei Maßnahmen gesetzt worden: Die Beleuchtung wurde noch einmal verbessert, Heizwärme wird nun stärker eingespart, für die Büroausstattung wurden Second-Hand-Möbel angeschafft, die Lackieranlage wurde umgestellt und es wird ein ökologisch verträglicher Lack verwendet. Man sieht hier also, es geht immer noch was und zwar in allen Bereichen. Auch spannend: Viele Betriebe haben im letzten Jahr einen Fokus auf CO₂ gesetzt und konnten ihren CO₂-Verbrauch um rund ein Viertel senken.

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Was macht Ökoprofit für Unternehmen interessant?

Verena Lässer-Kemple: Wer optimiert, spart Kosten beziehungsweise macht sogar Gewinn. Als Beispiel kann ich die Zumtobel Lighting GmbH nennen. Wo früher jährlich 50.000 Euro für die Müllentsorgung „verschwendet“ wurden, werden jetzt durch kluge Umstellungen 400.000 Euro gemacht. Oder auch die Dornbirner Sparkasse spart rund 40.000 Euro Stromkosten, seit sie Ökoprofit-Betrieb ist. Ökoprofit zeigt, dass Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit eng zusammenhängen. Es ist ein durchwegs sinnvolles Programm. Die Teilnahme daran sollte für Unternehmer fast selbstverständlich sein – das sollte der Hausverstand einem sagen. Außerdem kann ein Ökoprofit-Zertifikat mittlerweile bei Ausschreibungen einen Vorteil bedeuten – national wie international.

Vorteile von Ökoprofit

  • Optimierung des Ressourceneinsatzes
  • Betriebskosten senken
  • Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz
  • Praxisnahes Lernen, Informationen
  • Impulse und Austausch mit anderen Betrieben

Sie sind seit knapp zwei Jahren für Ökoprofit Vorarlberg tätig. Was steht in den kommenden Jahren an, was möchten sie als Koordinatorin fokussiert angehen?

Verena Lässer-Kemple: Aktuell ist Ökoprofit sehr Effizienz orientiert, das bedeutet konkret, es wird darauf geachtet, dass weniger vom Schlechten verwendet oder erzeugt wird. Das Ziel wäre, mehr Effektivität zu erreichen. Das bedeutet: Was braucht es, um die Dinge nicht nur weniger schädlich, sondern tatsächlich nützlich zu machen. Hier gehen wir dann schon in die Richtung von umweltfreundlichen Produkten und Produktverantwortung. Ansonsten möchte ich mit unserem Team gemeinsam die Zahl der Ökoprofit-Betriebe (zurzeit 177, Stand Juli 2020) weiterhin ausbauen und somit Ökoprofit bekannter machen. Hier vielleicht eine Information für Interessierte: Wer aus seinem Unternehmen ein Ökoprofit Unternehmen machen möchte, der kann bereits am 16. September in die nächste Workshop-Reihe starten. Einfach bei uns melden.

Informationen zu Ökoprofit

ÖKOPROFIT steht für Ökologisches Projekt für integrierte Umwelt-Technik und auch für ökologischen und ökonomischen Gewinn. Es wurde von der Stadt Graz Anfang der 90er Jahre entwickelt, ist als Marke geschützt und wird bereits in mehreren europäischen Ländern, aber auch außerhalb Europas, umgesetzt. In Vorarlberg wird Ökoprofit seit 1996 praktiziert – mit aktuell über 170 zertifizierten Betrieben ist es das am weitesten verbreitete Umweltmanagementsystem in Vorarlberg.

Wann kann ich einsteigen?
Am 16.9.2020 beginnt ein neues Basisprogramm.

Kontakt:
Mag. Verena Lässer-Kemple
verena.laesser-kemple@vorarlberg.at
oekoprofit@vorarlberg.at

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