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Ein guter Stand und leichtes Gepäck
Karin Nussbaumer

Ein guter Stand und leichtes Gepäck

Veronika und Werner Burtscher schaffen in ihrem Einfamilienhaus Platz für Beruf und Generationen. Ein Projekt, das Verwurzelung möglich macht und Freiheit schenkt.

Es ist kein Einzelfall in Vorarlberg, und dennoch besonders: Veronika und Werner Burtscher haben mehr als zwei Jahrzehnte als Familie mit drei Kindern ein Einfamilienhaus aus den frühen Achtzigern bewohnt. Doch den klassischen Weg (Kinder ausgezogen und mit eigenem Wohnraum, vielleicht sogar Haus, die Eltern allein im viel zu großen Gebäude) wollten die Burtschers nicht gehen, sondern ihren Anliegen folgen.

Den Kindern und Enkelkindern leistbaren Raum zur Verwurzelung geben

Die beiden wollten das Haus zum leistbaren Wohnraum für die ganze Familie machen. Zwei der drei Kinder werden im Haus selbst, das dritte Kind auf dem angrenzenden Baugrund Platz finden. Mit viel Eigeninitiative und Engagement wird aus dem Einfamilien- ein Generationenhaus, in dem die Kinder buchstäblich Wurzeln schlagen können.

Dazu wird das Haus in zwei separate Geschoße aufgeteilt und im Obergeschoß durch einen Erweiterungsbau zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Die Abwicklung des Bauvorhabens erfolgt in drei Etappen, die erste war die Fertigstellung der neuen Praxis, in der Werner Shiatsu-Behandlungen anbietet. In der zweiten wurde der Holzbau errichtet, der das Obergeschoß erweitert. Ist jenes in Bälde einzugsbereit, wird im Erdgeschoss renoviert: Fenstertausch, neue Böden und diverse Anpassungen.

Die großen Gewerke wie Holzbau, Fenster, Installationen, Estrich und Böden haben die Burtschers vergeben, alles andere bewerkstelligen sie selbst. Das erste große, ohne fremde Hilfe entstandene Ergebnis ist die hinterlüftete Holzfassade. Ziel ist es, bis Sommer 2020 weitestgehend fertig zu sein.

"Wir wollen das Haus zum leistbaren Wohnraum für die ganze Familie machen."

Das eigenhändig Gebaute nützlich und wertvoll erhalten
Karin Nussbaumer

Das eigenhändig Gebaute nützlich und wertvoll erhalten

In einem zugegeben großzügigen aber klassischen Einfamilienhaus Platz für zweieinhalb Familien und eine Praxis zu schaffen, ist eine Herausforderung. Die zu meistern eines Prozesses aber auch des nötigen technischen Verständnisses bedarf.

Für ersteren zeichnete Veronika verantwortlich: Das umfangreiche Erörtern von Anforderungen und Bedürfnissen, das Spielen mit Möglichkeiten, das Klären des Machbaren, das Einigen auf ein gemeinsames Ziel. Werner, der als gelernter Tischler über Monate hinweg sorgfältig dem Bestand nachspürte, Skizzen zeichnete, Details durchdachte, Erhaltenswertes von zu Ersetzendem trennte.

"Die Möglichkeit, unsere Ideen umzusetzen und die Aussicht auf ein lohnenswertes Ziel haben uns geholfen, diese Zeit gut durchzustehen."

Zwei Jahre hat die Familie Burtscher dafür in Anspruch genommen. Und die habe es auch gebraucht, meinen die beiden: „Im Kern waren wir uns schon früh einig, wie unser zukünftiger Lebensraum aussehen sollte. Dennoch haben wir vieles in der Planung entwickelt und wieder verworfen, um es dann noch einmal anders zu denken.“ Ein anstrengender Prozess, aber „die Möglichkeit, unsere Ideen umzusetzen und die Aussicht auf ein lohnenswertes Ziel haben uns geholfen, diese Zeit gut durchzustehen.“

Und was am Ende herauskommen wird? Ein fast vierzig Jahre altes Haus dauerhaft erfüllt von neuem Leben mit vertrauten Menschen, denen die alte auch die zukünftige Heimat ist. Mit einem großartigen Blick aufs Rheintal.

Sich selbst neue Freiheiten schaffen

Die Freiheit einer jungen Familie – das eigene Haus, der eigene Garten, in dem man die Kinder aufwachsen sieht – wird in der nicht mehr so jungen Familie mitunter auch zur Bürde.x
Eigentum verpflichtet, ein Haus sowieso. Und wer wollte nicht wieder auf Reisen gehen und ferne Städte und Länder erkunden, wenn die Kinder es auch mal drei Monate ohne einen auszuhalten imstande sind? Wenn da nicht der Garten wäre, oder die Heizung, die Hühner oder jemand aus der Verwandtschaft, der hin und wieder eine helfende Hand brauchte.
Wie praktisch wäre es, wenn man dann nicht zu zweit allein ein viel zu großes Haus verwalten müsste. Weshalb sich Veronika und Werner Burtscher besonders darauf freuen, gemeinsam mit ihren Kindern und vielleicht auch einmal Enkelkindern ein Generationenhaus zu bewohnen. Es zwischendurch aber auch verlassen zu können für ein paar Wochen oder vielleicht auch Monate und es in besten Händen zu wissen. Stets einen guten Stand zu haben – und immer ein leichtes Gepäck.

Ein ausführliches Gespräch mit Veronika und Werner Burtscher und mehr Details zum Projekt lesen Sie hier.